Endokrinologische Disruptoren – Wie hormonelle Störenfriede ihr Unwesen treiben

Endokrinologische Disruptoren – Wie hormonelle Störenfriede ihr Unwesen treiben

Es ist schwer zu verstehen, wie ausgeklügelt und perfekt abgestimmt unser Organismus ist, wenn man es nicht direkt sieht. Ich habe meinen Körper und seine Leistung viele Jahre als Selbstverständlichkeit gesehen. Hat ja alles gut funktioniert bisher. Alle normalen Körperfunktionen waren intakt. Es gab keine größeren Ausfälle. Nie hätte ich gedacht, dass die Verwendung von Weichspüler unfruchtbar machen kann, oder Bisphenol A (BPA) die Spermienqualität negativ beeinflusst. Ich hatte weder eine Meinung noch irgendein Verhältnis zum Thema Schadstoffe. Ich hab ganz einfach nicht darüber nachgedacht, was für ein fein aufeinander abgestimmtes Meisterwerk mein Hormonhaushalt ist und dass wir genau dieses durch den Kontakt mit alltäglichen Schadstoffen so richtig durcheinanderschütteln können. Meine unbeschwert naive Haltung hat sich jedoch schlagartig geändert, als ich erfuhr, dass eben diese durcheinandergewürfelten Hormone in meinem Körper nicht mehr das tun, was sie sollten und mich deswegen von einer Schwangerschaft abhielten. Klingt erstmal komisch, ist aber so.

 

Damit wir verstehen was gut oder schlecht ist bzw. was unseren Körper dabei stören kann, all die tollen Dinge zu tun, die er in einer Schwangerschaft und auch sonst so tut, sollten wir uns noch einmal unser endokrinologisches System, oder Hormonsystem, anschauen.

In unserem Körper gibt es zwei wichtige Steuerungssysteme: Das Nervensystem mit seinen Nervenbahnen und das Hormonsystem mit etwa 50 Hormonen. Während das Nervensystem Informationen durch elektrische Impulse sendet und empfängt, funktioniert das Hormonsystem durch das Schlüssel-/Schloss-Prinzip und arbeitet langsamer und nachhaltiger. Wenn unser Hormonsystem im Gleichgewicht ist, funktionieren wir ziemlich gut. Wir wachsen, wir haben einen gesunden Biorhythmus, wir haben Lust auf Sex, einen 1a Blutzuckerspiegel, sind ausgeglichen und können ruckzuck Kinder machen. Ihr merkt sicher schon, dass das eine oder andere vielleicht nicht mehr so rund läuft. Das kann daran liegen, dass die gemeinen endokrinologischen Störenfriede bzw. Disruptoren, sogenannte hormonaktive Substanzen (EAS), ihre volle Arbeit leisten. Während einige dieser Disruptoren die Hormonwirkung verstärken können, hemmen oder blockieren andere diese, oder sie wirken negativ auf die hormonproduzierenden Enzyme ein. Zwar werden einige EAS schon viele Jahre gezielt eingesetzt (z.B. Antibabypille), um mit Absicht hormonelle Vorgänge zu verändern oder zu stören, allerdings ist die tatsächliche Bedeutung auf unseren Körper und seinen Stoffwechsel noch weitgehend unerforscht. Eines wissen wir mittlerweile: Eine Vielzahl der nachgewiesenen oder vermuteten Störungen haben einen direkten Einfluss auf das Reproduktionssystem bei ausgewachsenen Menschen, aber auch den Embryonen im Bauch. Die bekanntesten und allgegenwärtigen endokrinen Disruptoren sind Phthalate und Bisphenol A. Sie sind in Plastikverpackungen, Spielzeug, Kosmetika, Deos und wurden sogar in Trinkwasser und Hausstaub nachgewiesen. Aber auch viele weitere EAS finden sich in unserem Alltag wieder: Flammschutzmittel, Beschichtungen für Pfannen und Verpackungen, verpackte Lebensmittel, gespritztes Obst und Gemüse, Weichspüler uvm. können unser hormonelles Gleichgewicht folgenschwer durcheinanderbringen.

Die schlechte Nachricht ist, dass diese Störenfriede allgegenwärtig sind und ganz hinterhältig und leise schwere gesundheitliche Schäden verursachen können. Die gute Nachricht ist, dass wir immer mehr über sie wissen und uns entsprechend wehren oder ihnen aus dem Weg gehen können. Tut ihr etwas, um die Störenfriede zu bändigen? Wenn ja, was ist es? Ich bin gespannt!

 

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